Anton Kajetan von Unertl (1685–1753)
Propst des Kollegiatsstiftes Habach
zugleich Dekan von St. Peter in München
Dr. Josef Freisl, Ortschronist
Anton Kajetan von Unertl wurde am 17. März 1685 in München als Mitglied einer angesehenen Familie geboren. Sein Vater, Georg von Unertl, war Hofrat. Bereits im Alter von 18 Jahren erhielt Anton Kajetan am 23. März 1703 das Herzog-Ernestische Benefizium in Ramersdorf auf Lebenszeit. Im selben Jahr wurde er an der Universität Ingolstadt immatrikuliert, wo er 1708 den akademischen Grad eines Doctor theologiae erlangte.
Das ehemalige Kollegiatstift Habach, auch Kanoniker- oder Chorherrenstift genannt, bestand von 1083 bis 1802 als Gemeinschaft von Säkularkanonikern, die nach eigenen Statuten lebten. Die Mitglieder führten ein zölibatäres Leben, durften jedoch Eigentum besitzen. Der Vorsteher des Kapitels war der Propst, der vom Kurfürsten ernannt wurde und für die äußeren Angelegenheiten des Stiftes, etwa Rechtsstreitigkeiten, zuständig war. Der Dekan hingegen verantwortete die inneren Angelegenheiten der Gemeinschaft.
Im Jahr 1719 wurde Anton Kajetan von Unertl im Alter von 34 Jahren zum „infulierten Propst“ des Kollegiatsstiftes Habach ernannt. In dieser Stellung rangierte er in der kirchlichen Hierarchie unmittelbar nach dem Bischof und besaß das Pontifikalrecht, das unter anderem das Tragen der pontifikalen Insignien während der Messe umfasste. Das Amt des Propstes war mit einer Pfründe verbunden, also mit Einkünften aus dem kirchlichen Amt und dem betreuten Stift.
Unmittelbar nach seiner Ernennung ließ Anton Kajetan von Unertl einen Krummstab als Zeichen seines neuen Amtes anfertigen. Dieser Hirtenstab befindet sich bis heute in der Schatzkammer der Kirche St. Peter in München. Zugleich bekleidete er als Propst von Habach auch das Amt des Dekans und Pfarrers von St. Peter in München.
Die 1668 erbaute Ulrichskirche, die Stiftskirche von Habach, verfügte zu Beginn der Propstzeit Anton Kajetan von Unertls lediglich über zwei Seitenaltäre. Umso willkommener war seine Stiftung eines weiteren Seitenaltars für die Pfarrei.
Um 1720 stiftete er den Seitenaltar „Die schmerzhafte Mutter unter dem Kreuz“, den mittleren Seitenaltar auf der Nordseite der Kirche. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1750 folgte die Stiftung eines zweiten Seitenaltars, der der heiligen Veronika gewidmet ist und den gegeißelten Wiesheiland unter dem Altarbild zeigt. Beide Altäre sind bis heute erhalten.
Den Kirchenrechnungen zufolge unterstützte Propst von Unertl zahlreiche Ausstattungen der Kirche auch finanziell, so etwa 1724 die neue Monstranz, geschaffen vom Münchner Goldschmied Joseph Grossauer. Darüber hinaus stiftete er eine Kapelle auf der Westseite der Kirche außerhalb der Friedhofsmauer mit einer lebensgroßen Holzfigur des heiligen Johann Nepomuk sowie als Reliquie einen Splitter des heiligen Kreuzes Christi in einem Silberkreuz. Hinzu kamen mehrere Messgewänder für die Kirche.
Mit großer Wahrscheinlichkeit setzte er sich zudem für die Anschaffung der 14 Kreuzwegtafeln ein, die der Freisinger Künstler Johann Zick im Jahr 1732 schuf und die sich noch heute in der Kirche befinden.
Propst von Unertl muss ein großer Musikliebhaber und ein guter, leidenschaftlicher Sänger gewesen sein. Im Bayerischen Musikerlexikon online wird er als Sänger mit Wirkungsort Habach aufgeführt. Er war nicht nur ein anerkannter Sänger, sondern förderte auch Komponisten wie den Barockkomponisten Pater Johann Valentin Rathgeber OSB. Rathgeber widmete ihm 1733 den zweiten Teil von Opus XII mit sechs Missae civiles, also anspruchsvollen Stadtmessen.
Die Korrespondenz Propst von Unertls mit dem Stift Habach gibt einen guten Einblick in das religiöse und gesellschaftliche Leben des 18. Jahrhunderts. Bei seiner Ankunft wurde er von den Habachern mit einem Ehrensalut aus einer Kanone begrüßt. Durch zeitgenössische Berichte können wir uns eines der großen kirchlichen Feste – etwa das Patrozinium des heiligen Ulrich am 4. Juli, damals noch ein Feiertag – mit dem anschließenden Ulrichsmarkt auch heute noch anschaulich vorstellen. An diesem Tag war Habach der Mittelpunkt des gesamten Pfaffenwinkels.
Anton Kajetan von Unertl zugleich Dekan von St. Peter in München
Am 13. Juni 1724 wurde er als Dekan des Landkapitels in München und bei St. Peter in sein Amt investiert. Als Dekan von St. Peter hatte er einen festen Sitz im Herzoglich Geistlichen Rat. Außerdem war er für den bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht sowie für den Kurfürsten Klemens August von Köln Krankenhauskommissär. Bereits 1724, im Alter von 39 Jahren, wurde ihm überschwängliches Lob in Gedichten zuteil – ganz im Stil des Barock – mit dem Titel „Parnastischer Hirten-Strauch“, gewidmet dem hochwürdigen und hoch edelgeborenen Anton Cajetan von Unertl, wie es auf der Titelseite des achtseitigen Druckes heißt.
Aber auch Niederlagen trafen ihn, so 1727: Jeder Dekan von St. Peter hatte seit der Gründung der Stadt München die Aufsicht über den gesamten Klerus der Stadt, jedoch ohne den Titel eines bischöflichen Kommissärs. Dieser Aufsicht wurde Dekan von Unertl nach Streitigkeiten mit dem Freisinger Fürstbischof enthoben. Damit ging für die Pfarrei St. Peter ein uraltes Recht verloren.
Dekan von Unertl setzte sich auch für die bauliche Weiterentwicklung der Kirche St. Peter, der ältesten Pfarrei Münchens, ein. Für den hochbarocken Ausbau und die Erweiterung von 1728 bis 1750 engagierte er sich mit großer Energie. Am 19. März 1746 wurde der Hochaltar als sogenannter Bühnenaltar – in Anlehnung an Berninis Altar im Petersdom in Rom – geweiht, ein Werk von Nikolaus Stuber und Egid Quirin Asam. Für das Deckenfresko im Chor „Verherrlichung der Heiligen Dreifaltigkeit und des heiligen Petrus durch die vier Erdteile“ war Dekan Anton Kajetan von Unertl der Auftraggeber; Johann Baptist Zimmermann schuf dieses beeindruckende Kunstwerk.
Das Ableben von Propst von Unertl
Da der damalige Habacher Dekan Nikolaus Munzenrieder am 20. Juli 1753 verstorben war, musste ein neuer Dekan gewählt werden. Am 16. August 1753 warteten die Habacher Chorherren auf ihren Propst, der die Wahl durchführen sollte – jedoch vergeblich. Von Unertl verstarb unerwartet auf der Fahrt von München nach Habach am 16. August, im Alter von 68 Jahren. Er trat die Reise in die Ewigkeit an, wie in einer Aufzeichnung sein Tod liebevoll beschrieben wird. Sein Epitaph befindet sich in der Johann-Nepomuk-Kapelle in St. Peter.
Anton Kajetan von Unertl war ein typischer Kirchenmann des Hochbarock. Ihm lag es am Herzen, das geistliche Leben vielfältig zu gestalten und den christlichen Glauben dadurch mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Er förderte als hoher Geistlicher Musik, Kunst und Kultur. Als guter Sänger lag ihm besonders die musikalische Gestaltung der Festmessen am Herzen. Viele der von ihm geförderten Kunstwerke erfreuen fast 300 Jahre später noch immer die Menschen und prägen seine Kirchen in München und Habach, die über lange Zeit das künstlerische und religiöse Leben beeinflussten.
Der vollständige Bericht über Propst Anton Kajetan von Unertl ist im Jahrbuch 2026 des Heimatverbandes Lech-Isar-Land erschienen.
Weiterführende Informationen zur Geschichte Habachs
- Zeittafel zur Habacher Geschichte
- Das Chorherrenstift Habach (1083–1802)
- Bedeutende Persönlichkeiten in der Geschichte Habachs
- Propst des Kollegiatsstiftes Habach
- Historische Ortsführung
- Die Burgen um Habach
- Die Geschichte des Ulrichsbrunnens
- Die Geschichte des Ulrichsmarktes
- 750 Jahre Fronleichnam in Habach
- Zur Geschichte der politischen Führung in Habach
- Habacher Ehrenbürger
- Habachs eigener Feiertag
- Kapelle in Habaching





